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Victor Otto Stomps - V.O. Stomps
Außergewöhnliche kleinverlegerische
oder besondere buchgraphische bzw. literarische
Leistungen sind die Kriterien, die in der Präambel
vom 27. 11. 1990 festgehalten wurden, um als Grundlage
zur Beurteilung der Bewerber des V.O. Stomps-Preises zu dienen. Diesen
Kriterien war Victor Otto Stomps (1897–
1970), von seinen Freunden kurz VauO genannt,
verbunden. Er gilt als der Vater der Kleinverlage
und Minipressen. In seiner Person vereinigten
sich die Traditionen des Selbstverlags wie auch
der Privatpressen. Seine Ideen von Literatur und
Buchgestaltung verwirklichte er hauptsächlich
in drei Verlagen. 1925 im Alter von 28 Jahren
kaufte Stomps seine erste gebrauchte Tiegelpresse
und druckte in Berlin-Friedenau mit zwei Freunden
im Handbetrieb "Lyrik in kleinen schmalen
Heften". Dies war der Ursprung seines ersten
Verlages, dem er den Namen "Rabenpresse"
gab. "Der Beginn meiner ,Rabenpresse‘
war ein Protest gegen das, was der Motor schafft:
die Riesenauflage, die das Abseitige ausschließt.
Mit einer Handpresse begann es, Gebser und
ich hatten diese Maschine gekauft und verstanden
nicht, damit umzugehen. Kein vernünftiger
Druck kam zustande. Wir trösteten uns mit
einer Flasche– und mit jedem Schnaps mehr
kam uns ihr Umriß wie ein gespenstischer
Rabe vor – der Handhebel wie ein zum Schlag
ausholender Flügel." (V.O.Stomps: Gelechter.
Frankfurt am Main. 1962) Die Rabenpresse war Anfang
der 30er Jahre in Deutschland der Verlag, um den
sich die lyrische Jugend sammelte, Stomps der
Verleger, der sich in einem politisch immer brisanter
werdenden Klima bishin zur Gefährdung der
eigenen Person für seine Autoren einsetzte.
Der 2. Weltkrieg machte die Fortführung des
Rabenverlages unmöglich. "Nie hat er
sich von Erwägungen, die außerhalb
seiner künstlerischen Einsicht lagen, leiten
lassen." (G.B. Fuchs/Harry Ross (Hg.): guten
morgen vauo. s. 23; Frankfurt: 1962) Kurz nach
der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft begann
seine Arbeit mit der Eremiten-Presse. Auch hier
fungierte er wieder als Verleger "der Jungen".
Das Verlagsprogramm war bestimmt von Texten, die
sich andere Verlage nicht zu veröffentlichen
wagten. 1954 zieht die Eremiten-Presse nach Stierstadt
im Taunus in ein altes Fachwerkhaus, das von Stomps
"Schloß Sanssouris" genannt wurde.
Dort lebte und arbeitete Stomps mit den Mitarbeitern
seines Verlages. Auch Autoren wurden in diese
Lebens- und Arbeitsgemeinschaft miteinbezogen,
indem sie eine Zeitlang in Stierstadt wohnten
und dort ihre Bücher selber setzten, druckten
und banden. Als Schriftsteller befaßte sich
V.O. Stomps mit verschiedenen Ausdrucksformen.
Neben Gedichten, Epigrammen, Aufsätzen und
einem Roman gehören seine Fabeln zu seinen
originellsten literarischen Produktionen. 1965
erhält er den Theodor-Fontane Literaturpreis
der Stadt Berlin. "Sein Werk ist das lebendige
Zeugnis einer inneren Notwendigkeit. Das ihm dichterisch
Eigentümliche ist aus reellen, psychischen
Konflikten entstanden und kann von seinen literarischen
Qualitäten nicht getrennt werden." (guten
morgen vauo S. 59) Sowohl als Verleger als auch
als Schriftsteller förderte Stomps Freiräume,
in denen sich künstlerisches und geistiges
Leben überhaupt erst entfalten kann. Mit
seinen Verlagen hat er versucht, im Kleinen solche
Freiräume zu ermöglichen. Finanzielle
Rentabilität spielte für Stomps in Bezug
auf seine Verlagsarbeit nie eine Rolle, im Gegenteil:
zur Finanzierung seiner Verlagsprojekte und seines
Lebensunterhaltes mußte er fremde Druckaufträge
annehmen. Nach seinem Bruch 1967 mit der Eremiten-Presse
kehrt er wieder nach Berlin zurück und eröffnet
dort im Alter von 70 Jahren die "Neue Rabenpresse".
Rückblickend kann er auf eine über vierzigjährige
Verlegertätigkeit mit 300 Autoren und Büchern
blicken. 1970 starb Stomps – in Armut. Die
von V.O. Stomps verlegten Bücher zeichnen
sich in vieler Hinsicht aus: sowohl Form als auch
Inhalt sind gekennzeichnet durch den Mut und die
Neugierde, Neues auszuprobieren. Sei es nun hinsichtlich
neuer Techniken, dem Einfallsreichtum in der Typographie
oder das Fördern neuer Nachwuchsautoren.
Innovation und der Drang nach noch nicht Dagewesenem
waren charakteristisch für die Person Stomps.
Die prämierten Arbeiten sollen in diesem
Sinne dem Wirken V.O. Stomps "in Gehalt,
Intention und persönlichem Engagement verbunden
sein. Es kann sich hierbei um bedeutende Einzeleditionen
wie auch um das gesamte Schaffen eines Verlegers,
Graphikers oder Literaten handeln."
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