Henriette Clara Herborn - Vier
„Als ich Reba zum ersten Mal sah, dachte ich sie wäre ein Geist. Es war im Frühjahr 1998 und ich war vierzehn Jahre alt. Ich saß hinten in unserem alten Volvo und wir fuhren in der Abenddämmerung die Kirschbaumallee entlang, nach Hause. Meine Mutter rauchte. Ich hustete und kurbelte das Fenster runter. Ich schaute hinaus und hoch, in die blühenden Kirschbäume. Und da sah ich es: In einem der knorrigen alten Kirschbäume vor dem leerstehenden Haus, das alle Kinder im Dorf mieden, saß ein Mädchen. Vielmehr lag es bäuchlings ausgestreckt auf einem Ast. Es war barfuß, trug ein weißes Kleid und seine langen, blonden Haare hingen ihm vor dem Gesicht. Aber durch den Vorhang der Haare sah ich seine Augen; sie schienen mich anzustarren. Ich erschrak. Dann waren wir vorbeigefahren. Ich drehte mich um und sah durch die Heckscheibe zum Haus zurück, bis es außer Sichtweite war.“
Vier ist eine Coming of Age-Novelle. Sie handelt vom Erwachen, von der ersten großen Liebe, der Suche nach Freiheit und dem Ende der Kindheit.
Henriette Clara Herborn, geboren 1978 in Mainz, ist Schriftstellerin, Journalistin und Dozentin für Kreatives Schreiben. Im März 2026 erschien die von ihr selbst herausgegebene Edition HCH mit acht Büchern. Herborn lebt und arbeitet in Mainz.
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